„O Domina nostra“ - Evensong in St. Michael am 25. Oktober

Spieltisch der historischen Späth-Orgel von 1925
Foto: Thomas Kitzig

Am Sonntag, den 25. Oktober findet um 17.00 Uhr in der Kirche St. Michael wieder ein Evensong statt.
Die Evensongs in St. Michael verbinden das gemeinschaftliche Abendgebet mit Elementen der Vesper und der Komplet, wobei die Musik im Mittelpunkt steht.

Die musikalische Gestaltung übernehmen diesmal die Sängerin Anastasia Telko (HFM Saar) und Thomas Kitzig an der historischen Späth-Orgel.
Auf dem Programm stehen Werke von J.S.Bach („Agnus Dei“ aus BWV 232) , Jacques Berthier und Henryk Mikolaj Gorecki (1933-2010).
Im Zentrum des Evensongs steht dessen Litanei op.55 „O Domina nostra“ für Gesang und Orgel.
Den liturgischen Part übernimmt Pastoralreferent Joachim Kleer.

Herzliche Einladung! Am Ausgang wird um eine Spende für die Kirchenmusik in St. Michael gebeten.

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Zum Werk „O Domina Nostra“ von Henryk Mikolaj Gorecki

Im Zentrum des Evensongs steht die 25minutige Litanei „O Domina nostra“ op.55 des polnischen Komponisten Henryk Mikolaj Gorecki (1933-2010). Es gehört zu seiner religiös geprägten Schaffensphase und ist der Verehrung der Schwarzen Madonna von Tschenstochau (Jasna Góra) gewidmet. Das Werk entstand ursprünglich 1982 anlässlich des 600-jährigen Jubiläums des Gnadenbildes und wurde später mehrfach überarbeitet.

Charakteristisch für das Stück ist Góreckis reduzierter, meditativer Stil. Die Musik entfaltet sich sehr langsam, mit langen Liegetönen, einfachen harmonischen Fortschreitungen und einer starken Konzentration auf Klangfarbe und spirituelle Wirkung. Der lateinische Text ist äußerst knapp: „O Domina nostra Claromontana, Regina nostra, Maria Sancta, ora pro nobis“. Die Sopranstimme wirkt oft eher wie ein liturgischer Gesang oder ein Gebetsruf als eine virtuose Solopartie. Die Orgel schafft dazu einen feierlichen, zeitlosen Klangraum.

Das Werk dauert ungefähr 20 Minuten und entfaltet seine Wirkung weniger durch dramatische Entwicklungen als durch Wiederholung, Kontemplation und spirituelle Versenkung. Musikalisch steht „O Domina Nostra“ in enger Nähe zu anderen bekannten religiösen Werken Góreckis wie der 3. Sinfonie („Sinfonie der Klagelieder“) op. 36. Typisch ist die Verbindung von Einfachheit, volkstümlicher Frömmigkeit und einer tief empfundenen, oft stillen Emotionalität. Die Komposition kann als musikalische Meditation über Maria und zugleich als Ausdruck der polnischen katholischen Identität verstanden werden.

Kurz gesagt: „O Domina Nostra“ ist kein dramatisches Konzertstück, sondern ein klangliches Gebet, das durch seine Schlichtheit und innere Ruhe eine außergewöhnlich intensive spirituelle Wirkung erzielt.

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