Gebete in Auswahl (in Fortsetzung)

gottes-entzug

meine
sehnsucht
werfe ich in den
himmel
der DICH verbirgt

die sterne
lassen meine rufe
vorbeiziehen
wie
lästige kometen

meine schreie
meine klagen

ich bin auf
GOTTES-entzug

doch

eine
berührung
zart wie
der flaum einer feder

ein
wort
sanft wie
die hand einer mutter

ein
blick
absichtslos
aus augen ohne arg

locken mich
lassen mich hoffen

ohne ein oben
ohne ein unten

mit himmelssehnsucht
gehe ich weiter

die berührung
das wort
der blick

entbergen DICH mir
einen wimpernschlag lang

manchmal
genügt das

nicht immer

("Ungehobeltes" an Christi Himmelfahrt, von Stephan Wahl, Jerusalem)

 

Und ein neuer Morgen

Wir loben Dich, Herr,
auch wenn's uns schwer wird,
wenn wir auf diese Welt sehen.

Wir loben Dich, Herr,
denn ohne Dich könnten wir nichts erkennen,
nicht das Gute, nicht das Schwere.

Wir loben Dich, Herr,
denn noch immer geht am Morgen die Sonne auf,
noch immer blühen die Blumen,
noch immer verstehen wir etwas von Deinem Wort.  

 

Stoßgebet

Halte Du mich
wenn ich
den Halt verliere.

Halte durch
mit mir.

Ewiger Gott.
Amen.

(Stephan Wahl, aus: "Ungehobelte Gebete", echter, 2017)

 

Hier bin ich

Gott, hier bin ich. Meine Gedanken sind noch bei mir, aber ich möchte gerne ruhig werden in Dir.
Hier bin ich, Gott, und möchte gerne beten, aber ich finde keine Worte.
Hier bin ich, Gott, und möchte auf dich hören, aber in mir ist so viel Lärm.

Gott, hier bin ich mit meinem Leben. 
Du nimmst mich an, so wie ich bin.

Hier bin ich, Gott.

(frei nach Dag Hammerskjöld, in: "Siehst Du mich", das andere Jugendgebetbuch, Herder, 2017)

 

Gott, Inbegriff aller Wirklichkeit

"Herr, mein Gott, der mich geschaffen und neu geschaffen hat, sag meiner verlangenden Seele, was du über das hinaus bist, was sie gesehen hat, damit sie dich rein erkennt.

Du bist überall, und doch sehe ich dich nicht. In dir bewege ich mich, und in dir bin ich (→Apg 17,28). Und doch kann ich nicht zu dir kommen! Du bist in mir und um mich, und doch, ich fühle dich nicht!

Mein Gott, ich bete, möchte dich erkennen, dich lieben und an dir mich freuen. Wenn ich es in diesem Leben nicht ganz erreichen kann, so lass mich täglich fortschreiten, bis jenes Ganze kommt.

Möge deine Erkenntnis in mir wachsen und vollendet werden. Meine Liebe zu dir zunehmen, um vollkommen zu werden. Meine Freude hier groß sein in Hoffnung. Dort in der Wirklichkeit unbegrenzt."

(adaptiert nach: Proslogion, Anselm von Canterbury, Gedenktag 21. April)

 

Das Trierer Pilgergebet

"Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen."

(zum Festtag des Heiligen Rockes am 24. April)

 

Gebet nach Augustinus

Jesus Christus, ich bin ein Mensch und nichts Menschliches ist mir fremd.

Ich bin noch nicht an meinem Ziel angekommen, lass mich nicht vorzeitig aufgeben.

Wenn ich zweifle, lass mich nicht verzweifeln.

Ich suche dich, lass mich dich finden.

Wenn ich schweige, lass mich aus Liebe schweigen.

Wenn ich spreche, lass meine Worte aus der Liebe kommen.

wenn ich tadle, lass mich aus Liebe tadeln.

Wenn ich andere verschone, lass mich sie aus Liebe verschonen.

Lass mich in allem treu sein, dir und mir,

Gott und den Menschen,

heute und alle Tage bis in Ewigkeit.

(Hl. Augustinus Aurelius von Hippo, 354-430)

 

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